Fürchtet euch nicht: Kurt Kister über den Wahlkampf / Seite 3
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DEFGH
NEUESTE NACHRICHTEN AUS POLITIK, KULTUR, WIRTSCHAFT UND SPORT
HF2 HK2 HS2 HH2 München, Samstag/Sonntag, 12./13. September 2009 DEUTSCHLAND-AUSGABE
65. Jahrgang / 37. Woche / Nr. 210 / 2,10 Euro DEFGH Junge Bibliothek
(SZ) Schon das Wort klingt feierlich und düster: Einsamkeit. Folglich gilt der einsame
Mensch als traurige, wenn nicht gar tragische Figur, und man streitet allenfalls
darüber, welche Einsamkeit die schlimmste Hölle ist. Der Verlassene sieht die schöne
Welt nicht mehr und trauert nur noch dumpf der treulosen Liebsten hinterher. Der
Verarmte ist aus den warmen Häusern vertrieben und muss unter den Brücken schlafen.
Der Sonderling meidet die Menschen und spricht, wenn überhaupt, nur noch mit sich
selber. Oder singt seine schaurigen Lieder. Kurzum, einsam ist ein kaltes, böses
Wort, gemeinsam ist ein warmes, gutes. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
dichtet der Dichter – und der Leser stimmt ihm schaudernd zu. Dabei müsste gerade
der Dichter wissen, dass der Fall ein wenig komplizierter ist. Dass die Einsamkeit
nicht nur ein Fluch, sondern manchmal auch die helle Freude ist. Wir betreten nun
scheu die kleine, karge Zelle eines Klosters und sehen darin einen hünenhaften Mann,
mehr als zwei Meter groß. Er ist vollkommen in seine Arbeit vertieft, deshalb sprechen
wir ihn jetzt besser nicht an. Der Riese ist aber kein Mönch, sondern ein Künstler:
der deutsche Filmregisseur Florian Henckel von Donnersmarck. Schauplatz der intimen
Szene ist das Koster Heiligenkreuz bei Wien, der Regisseur schreibt hier zurzeit
ein neues Drehbuch, und alle Liebhaber des Kinos wissen zumindest zweierlei: dass
Henckel von Donnersmarck genau hier schon das Drehbuch seines ersten Films „Das
Leben der Anderen“ geschrieben hat, und dass der Regisseur in der selbstgewählten
Einsamkeit nicht gänzlich und gottverlassen allein ist, weil nämlich ein anderer
Donnersmarck, Gregor Henckel-Donnersmarck, der Onkel des Kinokünstlers, Abt von
Heiligenkreuz ist. Man darf also zuversichtlich hoffen, dass auch diese Titanenarbeit
dem Donnersmarck gelingen wird, dass ihn die Zellen- und Dichtereinsamkeit inspiriert,
dass ihm die große Stille nicht zum Albtraum wird. Das Paradies muss kein Garten,
es kann auch ein kahles Zimmerchen sein – oder ein riesiges, menschenleeres Hotel.
Doch auch hier droht dem Glücklichen allzeit die Vertreibung. Der Satan kann in
seiner Zelle erscheinen, wie es dem wackeren Luther angeblich in der Wartburg geschah.
Oder das Schweigen kann ihn würgen und in den Wahnsinn treiben, wie es Jack Nicholson
passierte, als er in Kubricks Film „Shining“ einen Dichter spielte, der jeden
Tag nur einen einzigen Satz schrieb, immer denselben: „Was du heute kannst besorgen,
das verschiebe nicht auf morgen!“ Florian Henckel von Donnersmarck kennt Luther
und Jack Nicholson, und so wird er wissen, was der einsam Schreibende gegen den Zellenkoller
tun muss. Damit die Muse ihn küsst und der Teufel nicht kneift, im Kloster von Heiligenkreuz.
Die magische Welt der Fantasy
Ein Jahr danach
Am 15. September 2008 stürzte in New York die Investmentbank Lehman Brothers in
die Insolvenz. Die Pleite löste eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise aus, wie
sie die Welt seit 1929 nicht gesehen hatte. Mit den Folgen kämpfen die Staaten und
ihre Bürger bis heute. Die Süddeutsche Zeitung zieht in ihrem Wirtschaftsteil auf
acht Seiten eine Bilanz des Krisenjahres und analysiert, wie ein neuer Crash verhindert
werden kann. Foto: laif
An diesem Wochenende startet die Süddeutsche Zeitung eine neue Reihe ihrer Edition
„Junge Bibliothek“: zehn Fantasy-Romane von international ausgezeichneten Autoren,
geschrieben für Mädchen und Jungen ab zehn Jahren und ausgewählt von der Kinder-
und Jugendbuchredaktion der SZ. Den Auftakt macht das deutsche Bestseller-Duo Heike
und Wolfgang Hohlbein mit seinem Fantasy-Abenteuer „Midgard“. Alle Geschichten
knüpfen an alte Erzähltraditionen an und spielen in einer abenteuerlichen Welt,
wo Zauberer, Feen und magische Geschöpfe herrschen und in der die Gesetze der Realität
außer Kraft gesetzt werden. Die einzelnen Titel werden jeweils freitags im Feuilleton
vorgestellt.
SZ-Interview mit der Bundeskanzlerin
Merkel verlangt große nationale Anstrengung
Banken, Mittelstand, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände sollen gemeinsam mit
der Politik die Krise bezwingen
B e r l i n – Bundeskanzlerin Angela Merkel will im Falle eines Wahlsieges mit
einer großen nationalen Anstrengung die Finanz- und Wirtschaftskrise „klug und
schnell bewältigen“. Das sei „die wichtigste Aufgabe für die neue Bundesregierung“,
sagte Merkel in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Mir geht es um
ein gemeinsames Vorgehen in Deutschland.“ Neben der Krisenbewältigung sollen Zukunftsprojekte
entwickelt und eine Wertedebatte geführt werden.
Die Kanzlerin sagte, sie wolle die Treffen mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft,
den Gewerkschaften, den Banken und dem Mittelstand zur Krisenbewältigung fortsetzen,
weil sie sich bei der Vorbereitung der Konjunkturpakete bewährt hätten. Eine neue
Bundesregierung unter ihrer Führung werde sich auch verstärkt den Zukunftsprojekten
wie Klimaschutz, erneuerbare Energien oder Medizintechnik widmen und sich Gedanken
darüber machen, wie „Arbeit von Menschen für Menschen“ geschaffen werden könne.
Das „neue Miteinander“, wie es die CDU-Vorsitzende auch im Wahlkampf propagiert,
solle mehr Bürger „ermutigen, sich einzubringen, der Gesellschaft etwas zu geben“.
Sie habe 35 Jahre in einer Diktatur gelebt, sagte Merkel, und wisse deshalb, wie
wichtig es sei, dass sich „jeder in unserer Gesellschaft frei entfalten kann“.
Verschiedentlich waren in den vergangenen Monaten auch in der eigenen Partei Vorbehalte
gegen das Wertegerüst der Kanzlerin geäußert worden, verbunden mit der Frage,
ob sich ihre politische Grundhaltung von einstigen CDU-Positionen entfernt habe und
sie eine zu stark sozialdemokratisch geprägte Politik verfolge. Merkel sagte der
SZ: „Die Bedürfnisse der Menschen wandeln sich, und gute Politik geht auf das
ein, was zu lösen ist.“ Die Kanzlerin widersprach Vorwürfen aus den Reihen von
CDU und CSU, sie stehe nicht mehr für „Union pur“ und vertrete zu wenig die
christlichen und konservativen Werte der Partei. „Ohne Wertekompass verlieren Sie
sich in der Tagespolitik“, sagte Merkel, und ihr Wertekompass sei der christliche
Glaube, der die Freiheit des Einzelnen betone, aber auch, dass eine Gesellschaft
Solidarität und Gerechtigkeit brauche. Ihre innerparteilichen Kritiker müssten
sehen, dass es in Deutschland „eine größere Vielfalt von Lebensformen und Lebensgestaltung“
gebe als noch vor wenigen Jahren. Die Bindekraft überkommener Milieus sei schwächer
geworden, „wir haben viel mehr gebrochene Erwerbsbiographien, wir haben mehr Wechselwähler“.
Wenn Politik nicht darauf reagiere, sondern sich die alten Kästchen schneiden würde,
dann würde sie viele Bürger nicht erreichen. „Das Denken in Freund-Feind-Schemata
hilft nicht weiter“, sagte Merkel. Zur internationalen Kritik am deutschen Afghanistan-Einsatz
sagte die Kanzlerin, sie sehe auch nach dem Luftangriff von Kundus keinen Anlass,
den Einsatz der deutschen Soldaten dort in Frage zu stellen. Deutschland wolle zusammen
mit seinen Partnern „für die nächsten fünf Jahre“ eine „Übergabestrategie“
entwickeln und damit das Konzept der „selbsttragenden Sicherheit in Afghanistan“
verwirklichen. Die Kanzlerin kündigt an, bei der Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen
„einen großen eigenen Beitrag Deutschlands“ und der Europäischen Union zu leisten.
Es müsse zu einer Folgeregelung des Kyoto-Protokolls kommen, forderte Merkel. Dabei
setze sie Hoffnungen in eine veränderte Klimapolitik der Regierung Obama. Der im
US-Repräsentantenhaus verabschiedete Gesetzentwurf zum Klimaschutz, der noch den
Senat passieren muss, sei „eine wichtige Trendwende“. (Seite 7) SZ
Ärger um Berliner Schloss
Kartellamt erklärt Vertrag mit dem Architekten für nichtig
Berlin – Der Vertrag zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses mit dem italienischen
Architekten Franco Stella ist ungültig. Nach einer Entscheidung der Vergabekammer
beim Bundeskartellamt muss das Verfahren ab dem Jury-Votum im vorausgegangenen Architektenwettbewerb
wiederholt werden. Dies teilte das Bundesbauministerium am Freitag mit. Der Berliner
Architekt Hans Kollhoff, der den dritten Platz errang, hatte „mangelnde Transparenz“
bei der Vertragsvergabe an Stella beklagt. Das Ministerium erklärte, der Wettbewerb
werde jedoch nicht neu ausgeschrieben. Die Streitigkeiten würden den Bau des sogenannten
Humboldt-Forums nicht verzögern. Der Wiederaufbau der barocken Fassaden des Stadtschlosses
soll im Herbst 2010 beginnen. (Seite 4 und Feuilleton) SZ
Kandidaten-Duell am Sonntag
Berlin – Am Sonntag treffen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer
Frank-Walter Steinmeier zum ersten und einzigen Fernsehduell im Bundestagwahlkampf
aufeinander. Das TV-Duell wird von vier Sendern übertragen. Nach Ansicht von Demoskopen
werden viele unentschlossene Wähler ihr Votum vom Verlauf dieser Debatte abhängig
machen. (Wissen, Medien) dpa
Heute in der SZ
Unversöhnliche Staaten Der Streit um Obamas Gesundheitsreform offenbart die Zerrissenheit
der USA. Leitartikel von Christian Wernicke ..... 4 Phantasie im grünen Bereich
Gabriella Pape ist Deutschlands erfolgreichste Gärtnerin. ............................
11 Der große Wurf Der Iraker, der George W. Bush mit einem Schuh attackierte, ist
nach seiner Freilassung ein gemachter Mann. ..... 12 Großzügig, schamlos und brillant
Hauptsache unmöglich: Der große britische Verleger Lord Weidenfeld wird 90. Von
Franziska Augstein ................... 14 „Es gibt keinen absoluten Schutz“ NDR-Intendant
Lutz Marmor über Kritik am Allmachtsystem der ÖffentlichRechtlichen und neue Kontrollen.
.... 21 Staatschulden verdoppeln sich Europas Staaten steuern auf riesige Defizite
zu. Brüssel verlangt nun Sparmaßnahmen. Von Cerstin Gammelin ....... 34 2011 kann
kommen Beim EM-Sieg über England zeigt die deutsche Frauenfußball-Nationalelf,
dass die Verjüngung geglückt ist. ...... 35 TV- und Radioprogramm ............
43, 44 Forum/Leserbriefe ............................. 42 Rätsel · Schach ..............................
V2/24 München · Bayern .............................. 41 Familienanzeigen ...............................
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inmal im Jahr ächzen am Nil die Einkaufswagen unter ihrer Last: In keinem anderen
Land der islamischen Welt wird nach dem abendlichen RamadanFastenbrechen derart maßlos
geschlemmt wie in Ägypten. Der Ramadan ist für die ägyptischen Gläubigen –
wie für alle Muslime – zwar auch eine Zeit freiwilliger Entbehrung und religiöser
Innerlichkeit. Doch der neunte Monat des islamischen Kalenders garantiert Bewohnern
des größten arabischen Landes auch ihren allabendlichen Völle-Genuss. Die Essgelage
mit Familie und Freunden, begleitet von speziellen RamadanKomödien im Fernsehen,
enden in Ägypten anders als im Rest der islamischen Welt oft erst in den frühen
Morgenstunden. Jetzt aber bekommt der ägyptische Ramadan eine weitere, weniger genussvolle
Eigenheit: Wer tagsüber das Fasten bricht, wird festgenommen. Polizeilicher Ramadan-Einsatz
war bisher nur aus streng islamischen Staa-
Fastenbrecher hinter Gittern
In Ägypten sind Verstöße gegen den Ramadan nun strafbar
ten wie Saudi-Arabien bekannt. Menschenrechtler sind entsetzt – und sprechen von
ersten Schritten zur „Talibanisierung Ägyptens“. In dem überwiegend muslimischen
Land wird das Ramadan-Fasten zwar weitgehend freiwillig akzeptiert. Dennoch brechen
auch in Ägypten einzelne mitunter das Fastengebot in der Öffentlichkeit. In der
südägyptischen Provinz Assuan sind bereits mindestens 150 Trinkende oder Essende
festgenommen worden, wie der Fernsehsender al-Arabiya berichtete. Andere sollen nicht
einmal gegessen, sondern nur Lebensmittel gekauft haben. Im bei Europäern beliebten
Urlaubsort Hurgada klickten ebenfalls die Handschellen. Ein Gouverneur im Süden
des Landes soll gar angeordnet haben, tagsüber alle Restaurants und Cafés dichtzumachen.
Menschenrechtler verweisen darauf, dass die Ahndung solcher Ramadanverstöße im
ägyptischen Gesetz nicht vorgesehen sei. Ramadanbruch als Paragraphen im Strafgesetzbuch
gebe es nur in Staaten am Persischen Golf oder in den Köpfen der Taliban in Afghanistan.
In der Hauptstadt Kairo leben viele säkular orientierte Ägypter. Die nehmen die
religiösen Pflichten nicht sehr genau. Zudem hat Ägypten eine Minderheit von mindestens
zehn Prozent Christen. Laut Koran jedoch gehört das Fasten zu den unverbrüchlichen
Pflichten jedes Muslims: Ausnahmen sind nur Reisenden, Kranken und Kindern gestattet.
Die Enthaltung gilt nicht nur für die Nahrung: Vor dem Iftar, dem abendlichen
Fastenbrechen, ist neben Essen, Trinken und Rauchen auch Sex tabu. In einzelnen der
konservativen Golfstaaten sind Strafen für Ramadansünder seit langem bekannt. So
sollen jetzt auch im weltlichen Dubai Fastenbrecher abgeführt worden sein. Auf Ramadan-Sünden
stehen in manchen Golfstaaten bis zu einem Monat Haft oder Geldstrafe in Höhe mehrerer
hundert Euro. Dass sich nun auch der Innenminister in Ägypten als Hüter des Ramadan
aufspielt, spiegelt nicht nur die religiöse Rückbesinnung in der islamischen Welt
wider. Der Schritt dürfte vor allem von populistischen Erwägungen bestimmt sein.
Zumindest bei den streng Religiösen kann die Kairoer Regierung so ein paar Punkte
gutmachen: Ein ägyptischer Islamisten-Scheich pries die Polizei jedenfalls: „Das
Fasten ist eine Form der Gottesverehrung. Wer fastet, respektiert dies, und wer es
nicht tut, muss bestraft werden.“ Tomas Avenarius
Firmen betrügen bei Kurzarbeiter-Geld
Berlin – Immer mehr Unternehmen missbrauchen die verstärkte Förderung der Kurzarbeit.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verdächtigt nach eigenen Angaben bereits 116
Firmen, zu Unrecht Kurzarbeitergeld kassiert zu haben. „Viele Fälle haben wir
der Staatsanwaltschaft übergeben“, sagte eine BA-Sprecherin der Süddeutschen
Zeitung. (Seite 6) tö
Scharfe Rüge für Opel-Treuhänder
Regierung verteidigt Verkauf an Magna gegen Kritik / GM stellt Bedingungen
Von Thomas Öchsner Berlin – Einen Tag nach dem vorläufigen Durchbruch bei der
Rettung von Opel hat die Bundesregierung ihren eigenen Vertreter in der Opel-Treuhandgesellschaft,
Manfred Wennemer, scharf kritisiert. Dessen Einwände seien „in der Sache nicht
nachvollziehbar“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm und nannte den Verkauf
des Autobauers eine gute Lösung. Der frühere Continental-Chef Wennemer hatte als
Beirat des Bundes in der Treuhand als Einziger gegen die Übernahme des Unternehmens
durch den Autozulieferer Magna gestimmt. In der Opel-Treuhand wurden vor Eröffnung
der Insolvenz des Mutterkonzerns General Motors (GM) 65 Prozent der Opel-Anteile
geparkt, um die Existenz der europäischen Tochter zu sichern. Wennemer, der als
erfahrener Sanierer gilt, wiederholte am Freitag seine Kritik an der Vereinbarung.
Opel verliere jedes Jahr Milliarden, „das kriegen sie nicht einfach so schnell
weg“, sagte er. „Wenn sie alle ihre Pläne erreichen, werden sie 2010 überschuldet
sein und zum Konkursrichter gehen müssen.“ Der Manager rechnet deshalb sogar damit,
dass die nächste Bundesregierung das Insolvenzrecht ändern wird, damit Opel länger
am Leben gehalten werden kann. Die Bundesregierung will laut Wilhelm bereits in den
kommenden Wochen mit der EU-Kommission über die zugesicherten Finanzhilfen für
Opel in Höhe von 4,5 Milliarden Euro beraten. Deutschland muss dabei allerdings
darauf achten, dass die Brüsseler Wettbewerbshüter die Kredite und Bürgschaften
nicht als unerlaubte Beihilfen ablehnen. Geplant sind außerdem Gespräche mit Spanien,
Polen und Großbritannien, wo ebenfalls Opel-Werke stehen. Dabei geht es um die Frage,
wie sich die Finanzhilfen aufteilen lassen. In den drei Ländern wurde bereits scharfe
Kritik am Vorgehen der Bundesregierung laut. Dort wird befürchtet, dass die vier
deutschen Standorte einseitig geschont werden. Der belgische Finanzminister verlangte
am Freitag eine Untersuchung über möglichen Protektionismus in Deutschland. Im
belgischen Antwerpen sind 2580 Opel-Arbeitsplätze gefährdet. Die deutschen Arbeitnehmer-Vertreter
wollen in der nächsten Woche mit dem künftigen Eigentümer reden. Magna plant,
Gehälter zu kürzen und 3000 Stellen in Deutschland zu streichen. Vor einem Verkauf
stellt GM allerdings mehrere Bedingungen. So verlangt der USKonzern ein Vorkaufsrecht,
falls Magna oder dessen Partner, die russische Sberbank, aus der neuen Gesellschaft
„New Opel“ wieder aussteigen will. Im Vorstand beansprucht GM vier der acht Sitze
für sich. (Seite 2 und Wirtschaft)
HEUTE MIT
El-Masri attackiert Bürgermeister
Neu-Ulm – Der Deutsch-Libanese Khaled el-Masri hat den Oberbürgermeister von Neu-Ulm,
Gerold Noerenberg (CSU), angegriffen und verletzt. Der 46-Jährige, der als CIA-Folteropfer
bekannt ist, wurde festgenommen; die Staatsanwaltschaft Memmingen stellte Antrag
auf Haftbefehl. El Masris Motiv war zunächst unklar. (Bayern) dpa
Moral: Die Polkappen schmelzen, die Erde wird wärmer. Wir wissen das. Warum lässt
es uns kalt? Von Michaela Haas Macht: Susanne Knoll ist die Doppelgängerin von Angela
Merkel. Die Rolle hat ihr das Leben gerettet. Von Evelyn Roll Mut: „Ich ging im
Minirock zu Visconti.“ Die Schauspielerin Charlotte Rampling im großen Interview.
Von Willi Winkler
Dax i
Xetra Schluss 5624 Punkte
Dow j
N.Y. 18 Uhr 9613 Punkte
Euro k
18 Uhr 1,4587 US-$
Das Wetter
München – Sonnenschein und Wolkenfelder wechseln sich ab, es bleibt jedoch weitgehend
trocken. Nur in Südostbayern gelegentlich Schauer. Auch im Nordwesten ist Regen
möglich. Temperaturen von 17 bis 22 Grad. (Seite 42)
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