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Samstag, 12. September 2009
welt.de
O-Ton Deutschland: Kindereien? Von wegen!
Seite 9
Jurek Becker: Widerstand mit leisen Tönen Seite 30
Lord Weidenfeld: Der Wanderer zwischen den Welten wird 90 Seite 29
La Ola mit Fußball-Heldinnen
Kommentar
ZIPPERT zappt
Die Nebenkosten einer Urlaubsreise in Deutschland weichen je nach Ort stark voneinander
ab. Das ergab eine Studie des ADAC. So muss beispielsweise in Bad Reichenhall ein
Aufpreis von 3000 Euro bezahlt werden, wenn man ein Zimmer mit Meerblick haben möchte.
In Fedderwardersiel kostet ein Zimmer mit Alpenblick dagegen nur fünf Euro extra.
Das „unvergessliche Alpenpanorama“ ist dafür auch nur auf die Hauswand gegenüber
gemalt worden. Musik im Frühstücksraum gibt es überall kostenlos, wer auf die
Musik verzichten will, zahlt bis zu 20 Euro. Ein Gast musste sogar 50 Euro bezahlen,
weil er darauf bestanden hatte, eine Konzertübertragung der Berliner Philharmoniker
abzustellen. An vielen Orten berechnen die Hotels Regentage extra, weil die Räume
dann stärker benutzt werden. Die „Spaßfotos“, die täglich von Hunderten von
Kameras an deutschen Straßen aufgenommen werden, können teilweise sehr teuer sein.
Achten Sie auf Verkehrsschilder mit Zahlenangaben. Wer am Bad Homburger Kreuz in
einen Stau mit längerem Stillstand gerät, muss damit rechnen, dass die Autobahnpolizei
vorbeikommt, um Kurtaxe zu kassieren.
Warten auf das Schloss
Von Rainer Haubrich
Mehrere Tausend Fans haben den deutschen Fußball-Frauen nach dem Gewinn des EM-Titels
einen begeisternden Empfang in der Heimat bereitet. Die Mannschaft um Trainerin Silvia
Neid (2. v. r.) präsentierte sich auf dem Rathausbalkon des Frankfurter Römers.
Mit dem 6:2-Endspielsieg gegen England holten die deutschen Damen zum siebten Mal
den EM-Titel. Das Spiel hatte sehr viele Zuschauer vor dem Fernseher in seinen Bann
gezogen: 7,47 Millionen sahen die ZDF-Übertragung aus Finnland. Seiten 8, 24
Opel-Rettung: Deutschland droht Ärger in der EU
Brüssel: Erhalt von Werken darf nicht mit Staatshilfe erkauft sein – Treuhänder
geißeln die Bundesregierung
Auf einem roten Teppich werden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer
Frank-Walter Steinmeier (SPD) stehen, wenn sie am Sonntag um 20.30 Uhr ihr Fernsehduell
bestreiten. Ihre Antworten auf die Fragen der vier Moderatoren dürfen nur 90 Sekunden
dauern. Es wird ein strenges Zeitkonto geführt. Seite 3
Politik
Die Folgen einer Börsensteuer
Die SPD will eine Gebühr auf alle Finanzgeschäfte einführen. Ein nationaler Alleingang
wäre gefährlich, warnen Experten und zweifeln am Nutzen. Seiten 2, 8, 19
BERLIN/BRÜSSEL – Nach der Entscheidung für den Einstieg Magnas bei Opel steht
der Bundesregierung Ärger mit EU-Partnern ins Haus. Die Kommission in Brüssel wies
nachdrücklich darauf hin, dass der Erhalt von Standorten in Deutschland nicht durch
Staatshilfen erkauft werden dürfe. Die Gewährung dürfe nicht mit Bedingungen verknüpft
sein, in welchem Land Investitionen erfolgten oder wo Arbeitsplätze abgebaut oder
erhalten würden. Die Behörde könnte die 4,5 Milliarden Euro Kredite und Bürgschaften
für Opel als unerlaubte
Beihilfen ablehnen. Brüssel kündigte deshalb auch einen OpelGipfel mit den zuständigen
Länderministern an: „Das Treffen soll allen beteiligten Mitgliedsstaaten Transparenz
und Informationen zusichern.“ Tatsächlich hatte der kanadisch-österreichische
Zulieferer Magna, der mit der russischen Sberbank im Rücken Opel retten will, den
Zuschlag auch deshalb bekommen, weil er die vier deutschen Werke in Bochum, Eisenach,
Kaiserslautern und Rüsselsheim erhalten will. Dort stehen zwar voraussichtlich 3000
Ar-
beitsplätze auf der Kippe, im europäischen Ausland sind es hingegen bis zu 7000.
Magna plant die Fabrik im belgischen Antwerpen zu schließen, wo allein rund 2500
Menschen beschäftigt sind. Außerdem soll eines der beiden Vauxhall-Werke in Großbritannien
bedroht sein. Opel beschäftigt in Europa rund 50 000 Menschen, davon 25 000 in Deutschland.
Während die britische Regierung darauf verwies, dass sie feste Zusagen für den
Erhalt der Fabriken habe, ist Belgien alarmiert: Finanzminister Didier Reynders forderte
die EU-Kommission auf
zu untersuchen, ob Deutschland „protektionistisch“ handelt. Vizepremierministerin
Joëlle Milquet kritisierte: „Ich denke, dass die deutsche Regierung zum eigenen
Vorteil gehandelt hat, und ich habe auch festgestellt, dass wir keine echte europäische
Zusammenarbeit gehabt haben.“ Schwere Vorwürfe haben gestern erneut die deutschen
OpelTreuhänder erhoben, die am Vortag überraschend nicht für den Einstieg Magnas
gestimmt hatten. „Der Grund für unsere zögerliche Entscheidung am Donnerstag
war aber auch, dass wir kaum Infor-
mationen über die Bedingungen hatten, die GM als Gegenleistung für den Verkauf
von Opel gestellt hat“, sagte der Sanierungsexperte Dirk Pfeil, der als Vertreter
der Opel-Länder in der Treuhand saß, der WELT. Pfeil hatte sich der Stimme enthalten,
Beiratskollege und Ex-Conti-Chef Manfred Wennemer stimmte gegen den Verkauf an Magna.
Die Bundesregierung wies die Kritik „als nicht nachvollziehbar“ zurück. Zudem
rechne man nicht mit Wettbewerbsschwierigkeiten. DW
Seiten 11 und 12: Schwerpunkt
„Eine Frage der Notwehr“
Brigadegeneral a. D. Helmut Harff verteidigt die Luftangriffe auf zwei gekaperte
Tanklastwagen in Afghanistan. Seite 4
Magazin
Innenminister weist Bundesanwalt zurecht
BERLIN – Im Streit über die gesperrten Verfassungsschutzakten des früheren RAF-Mitglieds
Verena Becker hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Bundesanwaltschaft
in ungewöhnlich scharfer Form zurechtgewiesen. „Ein Bundesanwalt kann nur auf
Einhaltung der Gesetze bestehen, auf sonst gar nichts“, sagte Schäuble der WELT.
Die Forderung von Bundesanwalt Rainer Griesbaum, der auf der Freigabe der Akten beharrt
hatte, sei unangemessen. Zugleich verteidigte Schäuble seine Entscheidung, den Ermittlern
nur unter Auflagen Akteneinsicht zu gewähren. Die Geheimdienste könnten nur dann
Quellen gewinnen, wenn sie einmal zugesagte Vertraulichkeit auch einhalten könnten,
sagte er. Im Einzelfall könne die Freigabe von Passagen aus den Unterlagen zwar
geprüft werden: „Eine pauschale Freigabe sämtlicher Akten jedenfalls wird es
nicht geben. DW
Seite 4: Bericht
Kartellamt erklärt Vertrag zum Schlossbau in Berlin für nichtig
BERLIN – Der Streit über den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses im Zentrum
der Hauptstadt geht in eine neue Phase. Das Bundeskartellamt hat den Vertrag mit
dem Architekten Franco Stella für nichtig erklärt und eine Wiederholung des Vergabeverfahrens
gefordert. Das teilte das Bundesbauministerium mit und kündigte zugleich an, den
Beschluss anzufechten und Planung und Bau weiter voranzutreiben. Stella hatte den
Wettbewerb gewonnen, ein zweiter Preis war nicht zuerkannt worden. Andere Entwürfe
seien seinerzeit „mit klarem Abstand auf dritte Plätze verwiesen“ worden, teilte
das Ministerium mit. Ein bei dem Wettbewerb unterlegener Architekt hatte ein Nachprüfverfahren
angestrengt. Nun forderte die Vergabekammer des Bundeskartellamts die Wiederholung
des Vergabeverfahrens ab dem Zeitpunkt der Preisgerichtsentscheidung. DW
Siehe Kommentar Seite 3: Bericht
Sozialdemokraten in Norwegen bangen um die Macht
OSLO – Bei den Parlamentswahlen in Norwegen droht der sozialdemokratischen Regierungskoalition
unter Ministerpräsident Jens Stoltenberg ein Machtverlust. Sie könnte von einem
Mitte-rechtsBündnis abgelöst werden. Umfragen zufolge liegt das rechte Lager in
Führung. Sensible Themen wie Norwegens EU-Mitgliedschaft oder der Einsatz in Afghanistan
wurden daher im Wahlkampf weitgehend ausgespart. AFP
Seite 4: Bericht
Die Wehmut des Brautvaters
Lange hatte WELT-Autor Thomas Kielinger Zeit, sich auf die Hochzeit seiner Tochter
vorzubereiten. Nun war es so weit. Seite 10
Sport
Semenya soll ein Zwitter sein
Das Ergebnis des Geschlechtstests von 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya soll
feststehen. Demnach ist die 18-jährige Südafrikanerin keine Frau, sondern ein sogenannter
Hermaphrodit. Seite 24
Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum kommt nicht aus den Schlagzeilen.
Die Auftragsvergabe an den Wettbewerbssieger Franco Stella war nicht korrekt, hat
das Kartellamt entschieden, nachdem der Berliner Architekt Hans Kollhoff, einer der
Drittplatzierten im Wettbewerb, das Verfahren angefochten hatte. Am Wettbewerb selbst
hat die Kontrollbehörde nichts auszusetzen, nur die anschließende Auftragsvergabe
an Stella und zwei weitere deutsche Architekturbüros sei nicht transparent gewesen.
Die juristischen Details dieses Streits sind für Laien kaum noch zu verstehen. Wahrgenommen
wird allein, dass wieder einmal ein wichtiges Großprojekt nicht recht vom Fleck
zu kommen scheint. So war es bei der Auseinandersetzung mit dem Architekten Norman
Foster, der sich lange weigerte, den Reichstag wieder mit einer Kuppel zu bekrönen.
Heute ist sie die populärste Attraktion der Hauptstadt. So war es beim Holocaust-Mahnmal,
das eine ähnlich lange und umkämpfte Planungsgeschichte wie das Berliner Schloss
durchlief und heute allseits hohe Akzeptanz genießt. So war es beim heute beliebten
Hauptbahnhof. Es ist eine bittere Pointe, dass mit dem Berliner Architekten Hans
Kollhoff ausgerechnet ein leidenschaftlicher Anhänger der Schlossrekonstruktion
und Verfechter der Idee des Humboldt-Forums die Steilvorlage für all jene liefert,
die mit diesem Jahrhundertprojekt nichts anfangen können. Dass bis heute manche
Details ungeklärt sind, ist nichts Ungewöhnliches bei einem Unterfangen, für das
es weltweit kein Vorbild gibt. Aber es bleibt eine formal wie inhaltlich bestechende
Idee, durch die Rekonstruktion des Schlosses an die Geschichte des Ortes zu erinnern
und gleichzeitig mit der Präsentation der Weltkulturen weit ins 21. Jahrhundert
zu blicken. Diese Vision wird auch die jüngsten Turbulenzen überstehen. Und wie
bei der Dresdner Frauenkirche werden bei der Eröffnung des HumboldtForums die Kritiker
von heute in den ersten Reihen sitzen. Auf Wiedersehen 2013 am Schlossplatz!
rainer.haubrich@welt.de
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Literarische Welt
Wenn die Zeit davonläuft
Der Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief spricht im Interview mit
der WELT über seine Krebserkrankung und seine Pläne für ein Festspielhaus in Afrika.
Seite 36
FOTOS: DPA/RUMPENHORST; LENGEMANN; DPA; AP; JU BAYERN
Immer raus mit dem Zaster!
„Gutt“ gegen Böse: In einem Online-Spiel tritt der Wirtschafts- gegen den Finanzminister
an
Von Thomas Vitzthum Die Überzeugungskraft der Heiterkeit wird von der Politik zurzeit
schrecklich unterschätzt. Noch hofft man als Wähler auf das Fernsehduell zwischen
Merkel und Steinmeier am Sonntag, und doch obsiegt die Befürchtung, dass der Unterhaltungswert
von Kanzlerin und Kandidat gen null tendieren wird. Politik ist ein ernstes Geschäft.
Und außerdem: die Krise! Ach ja … Aus dem Tal der Tränen erhebt sich nun ausgerechnet
die Junge Union Bayern und präsentiert eine lustige Konfrontation zwischen Wirtschaftsminister
Karl-Theodor zu Gutten- gesteuerter, missmutiger Steinberg (CSU) und Finanzminister
brück hin und her. Sein frevelhafPeer Steinbrück (SPD) in Form ei- tes Tun besteht
darin, Geldscheines Online-Spiels. Und – hört, ne, Münzen und Gold hinunterzuhört
– der CSU-Mann steht als Ge- werfen. Mit seiner Tastatur winner auf www.sanieren-oder-
bewegt der Spieler deshalb ein läruinieren.de keineswegs von chelndes Guttenberg-Männchen,
vornherein fest. Wer Guttenberg das in einem Sack fängt, was es zu fassen kriegt.
Steinnicht Beine macht, brück schmeißt hin sieht Steinbrück und wieder sogar siegen.
einen Mercedes Das Spiel geht so: übers Geländer. AlAuf dem Balkon auf leskönner
Gutteneiner bayerischen berg kann so auch Alm, dem Frankfurzum Finder des ter Römer
oder dem Dienstwagens einer Reichstag in Berlin Kampf unter Gleichen? bekannten Gesundrast
ein computer- Guttenberg gegen Steinbrück heitsministerin werden. Das gibt Bonuspunkte.
Übereifer wird allerdings bestraft; fällt Guttenberg das SPD-Parteibuch in den
Sack, gibt es Punktabzug und ein griesgrämiges Gesicht. Die JU versucht, mit dem
Spiel Stimmen zu fangen. „Wir wollen mit einem Augenzwinkern für unsere solide
Finanzpolitik werben“, heißt es nüchtern. Wer einen verantwortungsvollen Umgang
mit Steuergeldern wolle, müsse Union wählen. Übrigens kann der Spieler auch Steinbrücks
Part übernehmen. Wer wollte nicht längst mal wieder ordentlich Zaster zum Fenster
rauswerfen?
Börse
Leicht abgebröckelt
Nachdem der Dax ein Jahreshoch nach dem anderen erzielte, bröckelten die Kurse zum
Wochenschluss ab. Der Leitindex bleibt aber über 5600 Punkte. Seite 22
DAX 16.45 Uhr 5631,13 Punkte +0,65% EURO EZB-Kurs 1,4594 US-$ +0,34% DOW 10.45 Uhr/NY
9636,78 Punkte +0,10%
Mehr Attraktivität durch schöne und gesunde Zähne
Höchste Sicherheit: 12 Jahre Garantie auf Zahnersatz* In nur 14 Tagen zum strahlenden
Lächeln
TV-Kritik – So war Charlotte Roche bei ihrem Talkshow-Debüt: welt.de/fernsehen
*unter bestimmten Bedingungen
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Täglich weltweit in über 130 Ländern verbreitet. Pflichtblatt an allen deutschen
Wertpapierbörsen. Redaktion: Tel. 030/25910, Fax 030/259171606, E-Mail: redaktion@welt.de;
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