Achtung, Radau! Mit Kindern in der Öffentlichkeit / Panorama
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DEFGH
NEUESTE NACHRICHTEN AUS POLITIK, KULTUR, WIRTSCHAFT UND SPORT
HF2 HK2 HS2 HH2 München, Mittwoch, 28. Oktober 2009 DEUTSCHLAND-AUSGABE 65. Jahrgang
/ 44. Woche / Nr. 248 / 1,90 Euro
Ära von Bischof Huber endet
(SZ) Es gibt Menschen, die wollen bleiben, was sie sind. Angela Merkel will Kanzlerin
bleiben, Louis van Gaal will Bayern-Trainer bleiben – und Helmut Dietl Marathonläufer.
Frau Merkel wird an diesem Mittwoch zum zweiten Mal vereidigt. Sollte sie in 24 Jahren
noch Kanzlerin sein (und man sieht derzeit niemanden, der ihr dies streitig machen
könnte), dann ist sie 79 Jahre alt, also noch immer weitaus jünger als der späte
Kanzler Adenauer und genauso alt wie Helmut Dietl, der jetzt beim FrankfurtMarathon
triumphierte, wo er zwar sehr spät ins Ziel kam, aber eben doch – und danach stolz
und frohgemut erklärte, er freue sich jetzt schon auf den nächsten Frankfurt-Marathon.
Louis van Gaal wiederum, von dem in jüngster Zeit Verwirrendes zu hören war zum
Thema, ob er Gott sei oder nicht, hat jetzt ebenfalls in Frankfurt zu tun, wenngleich
nicht als Marathonläufer. Er muss, um noch lange zu bleiben, was er ist, im Pokalkampf
die biedere Eintracht besiegen – Gott in Frankfurt sein, wenigstens das. Es gibt
auch Menschen, die wollen nicht bleiben, was sie sind, auf gar keinen Fall. Aber
sie sehen keinen Ausweg aus der Eintönigkeit des Daseins. So träumen sie ergebnislos
von einem anderen Leben, während ihr wirkliches Leben vergeht. Solchen Menschen
wird in dieser Woche reichlich Trost zuteil, denn es gibt verblüffend viele Nachrichten,
die allesamt dieselbe Botschaft verkünden: Nach dem Leben kommt nicht der Tod, sondern
ein zweites Leben, eindeutig interessanter als das erste. Von Günther Beckstein
etwa sind jetzt Bilder zu sehen, die ihn am Mount Everest zeigen, in über 5000 Metern
Höhe. Im Hintergrund leuchtet weiß der Gigant, der Zauberberg – und das ist schon
ein anderer Anblick als Nockherberg und Wendelstein. Von Placido Domingo, dem Welttenor,
ist zu lesen, dass er nun auch als Bariton triumphiert, und in nicht ferner Zukunft
wird er siegreich hinabsteigen in die Unterwelt der Bässe, in Sarastros oder Fafners
Reich. Alexander Smoltczyk, den Spiegel-Mann, sehen wir als maledivischen Taucher
bei einer Recherche, wie sie noch kein politischer Reporter unternahm, und vom Rennläufer
Dieter Baumann hören wir, dass er nun als Kabarettist die Menschen beglückt. Sie
alle haben es geschafft, ihrem Leben eine erstaunliche Wende zu geben. Ja, es muss
alles anders werden, als es ist! Man möchte den Vorbildern nacheifern, weiß aber
leider nicht, wie. Kanzler, das könnte man, aber der Job ist bekanntlich besetzt.
Am Bergsteigen hindert die Höhenangst, am Singen die Heiserkeit, an der Unterwasserrecherche
die Wasserscheu. Bleibt also wohl nur der Dieter-Baumann-Weg ins zweite Leben: Kabarettist
werden, Späße machen, bis die Zähne ausfallen und die Ziellinie erreicht ist.
Vielleicht sollte doch alles so bleiben, wie es ist.
HEUTE MIT
Evangelische Kirche wird moderner
Geschieden, liberal, weiblich: Margot Käßmann will deutsche Protestanten aus der
Krise führen
Von Matthias Drobinski
U l m – Margot Käßmann, die 51-jährige Bischöfin von Hannover, wird neue Ratsvorsitzende
der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Erstmals wird damit eine Frau die
wichtigste Vertreterin der 25 Millionen Protestanten in Deutschland; auch weil die
Mutter von vier Kindern geschieden ist, wird dies als Zeitenwechsel angesehen. Mit
der als sicher geltenden Wahl am Mittwoch endet die Ära des Ratsvorsitzenden Wolfgang
Huber. Der Wechsel findet vor dem Hintergrund stark gestiegener Austrittszahlen statt.
Bei den Wahlen zum Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland in Ulm erhielt Margot
Käßmann am Dienstag im ersten Wahlgang 103 Stimmen und damit als einzige Kandidatin
auf Anhieb die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Andere zur Wahl stehende Bischöfe
hatten sich darauf geeinigt, sie zu unterstützen, auch aus dem konservativen Lager
des Kirchenparlaments erhielt sie Stimmen. Käßmanns Scheidung vor zwei Jahren schwächte
diese Unterstützung für sie offenbar nicht. Es gilt daher als sicher, dass der
neu gewählte Rat sie an diesem Mittwoch zur Ratsvorsitzenden vorschlagen und die
Synode sie wählen wird. Der Münchner Landesbischof Johannes Friedrich bezeichnete
die Wahl Käßmanns als „logisch und richtig“. Käßmann unterstützt den Reformprozess,
den ihr Vorgänger Wolfgang Huber angestoßen hat, und mit dem die evangelische Kirche
in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen und zurückgehenden Kirchensteueraufkommens
sich profilieren will. Es wird aber erwartet, dass sie dabei die verschiedenen Gremien
und Gruppen der Kirche stärker beteiligt als bisher. In ihrer Bewerbungsrede hatte
sie gesagt, es sei in der evangelischen Kirche „ein Schritt in die Normalität“
gewesen, dass „alle Ämter von Frauen wahrgenommen werden können“. Sie erklärte,
dass sie das Profil ihrer Kirche schärfen, aber auch das gute Miteinander mit der
katholischen Kirche suchen werde: „Uns verbindet mehr, als uns trennt“, sagte
sie. Politisch wolle sie sich für eine würdige Pflege im Alter einsetzen sowie
für die Begleitung Sterbender. In sozialen Fragen müsse die Kirche auch unbequem
sein.
Insgesamt wolle sie die „Sehnsucht nach dem gelebten Glauben wecken“. Käßmanns
Vorgänger, der Berliner Bischof Wolfgang Huber, der mit 67 Jahren als Ratsvorsitzender
aus Altersgründen abtritt, gehörte zu den ersten Gratulanten; in dem Anliegen,
die evangelische Kirche aus der Gefangenschaft ihrer Milieus zu führen, gelten die
beiden als Verbündete. Das Ziel des Reformprozesses, „gegen den Trend“ zu wachsen,
wird die evangelische Kirche allerdings auch mit einer Ratsvorsitzenden Margot Käßmann
wohl nicht erreichen. Am Dienstag gab die EKD bekannt, dass die Austritte im Jahr
2008 dramatisch auf 160 000 gestiegen sind; 2007 kehrten noch 130 000 Menschen der
evangelischen Kirche den Rücken. Die katholische Kirche verließen 2008 mehr als
120 000 Menschen, ebenfalls fast 30 000 mehr als 2007. Thomas Begrich vom Kirchenamt
der EKD begründete den Anstieg mit der Anfang
84 Seiten Beilage Auf der Höhe Die herausragenden Figuren der Saison 2009 Auf dem
Olymp Golf kehrt zurück in die olympische Familie Auf Winterreise Die schönsten
Ziele unter südlicher Sonne
Liegt nicht der gesamten Auslandsauflage bei
SPD und Linke einig
Koalitionsvertrag in Brandenburg steht
Berlin – Einen Monat nach der Landtagswahl haben sich SPD und Linkspartei in Brandenburg
auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Das Papier muss am 4. November allerdings noch
auf zwei Parteitagen von der Basis beschlossen werden. Konflikte könnte dabei allenfalls
die künftige Energiepolitik auslösen, in der sich die Linke trotz anfänglicher
Bedenken für die weitere Braunkohleförderung zur Stromerzeugung verpflichtet. In
Bildungs- und Sozialfragen tat sich das rot-rote Regierungsbündnis hingegen mit
einer Einigung leichter – so etwa auf die Fortführung der sechsjährigen Grundschulzeit
sowie auf finanzielle Unterstützung von Abiturienten aus einkommensschwachen Familien.
Wie aus Verhandlungskreisen verlautete, soll die SPD fünf, die Linke vier Ministerien
erhalten. Über die Besetzung der neun Ministerposten vereinbarten die Koalitionäre
Stillschweigen. Am 6. November könnte der SPD-Landesvorsitzende Matthias Platzeck
erneut zum Ministerpräsidenten gewählt werden. (Seite 6) vbe
Die Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann Foto: ddp
2009 eingeführten Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge, auf die die Kirchensteuer
aufgeschlagen wird; Menschen ohne Kirchenbindung entschieden sich in solchen Situationen
für den Austritt. „Für uns ist jeder Austritt einer zu viel“, fügte er hinzu.
Die Finanzkrise könnte sich im kommenden Jahr in einigen Regionen dramatisch auf
das Kirchensteueraufkommen auswirken, sagte der Finanzexperte Klaus Winterhoff. Dort
seien Einbrüche von „bis zu zwanzig Prozent“ im Vergleich zu 2008 möglich.
Allerdings war in den vergangenen Jahren die Kirchensteuer gestiegen, im Bund vergangenes
Jahr um 9,3 Prozent auf 4,56 Milliarden Euro. In diesem Jahr rechnet die EKD mit
einem Minus von fünf Prozent. (Seite 4)
Der 17. Deutsche Bundestag
Vier Wochen nach der Wahl hat das Parlament seine Arbeit aufgenommen. In der konstituierenden
Sitzung wurde Amtsinhaber Norbert Lammert (CDU) wieder zum Bundestagspräsidenten
gewählt. Der 17. Deutsche Bundestag hat 622 Abgeordnete. Der Altersdurchschnitt
liegt bei 49,2 Jahren, der Frauenanteil bei knapp 33 Prozent. Fast jeder dritte Parlamentarier
arbeitete zuvor im Staatsdienst. (Seite 2 und Medien) Foto: action press
Carstensen in Kiel wiedergewählt
Kiel – Vier Wochen nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein steht die neue schwarz-gelbe
Regierung. Der Landtag wählte CDU-Chef Peter Harry Carstensen wieder zum Ministerpräsidenten.
Bei der konstituierenden Sitzung bekam Carstensen auch eine Stimme aus der Opposition.
Nach der harten Auseinandersetzung im Wahlkampf schlug er sanftere Töne an. (Seiten
4 und 6) SZ
Heute in der SZ
Der Standpunkt des Kreisels Warum Henryk M. Broder Präsident des Zentralrats der
Juden werden möchte. Von Birk Meinhardt ............................. 3 Tanzbären
und Koryphäen Das phantasielose schwarz-gelbe Kabinett der Angela Merkel. Leitartikel
von Heribert Prantl ........... 4 Die Leute wollen ihren Buddha zurück Fachkräfte
streiten, ob die von den Taliban gesprengten Statuen in Bamian rekonstruiert werden
sollen. . ............ 12 „Wir ernten die Früchte“ RTL-Geschäftsführerin Anke
Schäferkordt spricht über Fernsehen in der Krise und den ZDF-Jugendsender Neo.
.. 15 Nicht giftiger als Fisch Der Impfstoff gegen Schweinegrippe enthält winzige
Mengen Quecksilber – doch die Skepsis ist unbegründet. .............. 16 Gütesiegel
im Zwielicht Wie dubiose Finanzdienstleister Anleger mit Zertifikaten des TÜV in
die Falle locken. .................................................. 24 Alles außer
Neuer Stadionanteile, Tochterfirmen, Rafinha: Vieles steht bei Schalke 04 zum Verkauf
– nur der Torwart nicht. .................... 27 TV- und Radioprogramm ..................
32 Rätsel, Schach ....................................... 9 München · Bayern ...............................
31 Familienanzeigen ............................... 30
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m vier Uhr morgens ist es Zeit für ein wenig klassische Musik. Das hat das Plenum
so entschieden, also wird es so gemacht: Durch den größten Hörsaal der besetzten
Universität Wien schallen am Dienstag Klänge von Vivaldi, Beethoven und Edward
Elgar. Die Studenten, die hier die Nacht verbringen, tanzen dazu genauso ausgelassen
wie eben noch zu Bob Dylan. Wenige Stunden später kommt die Ablöse: Kommilitonen
bringen frisches Bier, Proviant und Schlafsäcke. Die nächste Schicht kann beginnen.
An diesem Mittwoch allerdings wollen Österreichs Studenten die Hörsäle verlassen
– für eine Großdemonstration in der Hauptstadt. Sie soll zum Höhepunkt einer
Bewegung aus Protest und Party werden, die Studenten im ganzen Land erfasst hat und
die weitgehend spontan entstanden ist. Keine Parteien oder Verbände zogen die Fäden,
als 2000 Studenten den großen Hörsaal der Uni Wien besetzten. Sie organisierten
den Protest über Facebook, Twitter und – ganz altmo-
Wiener Wut
Österreichs Studenten protestieren gegen schlechte Lehre
disch – durch Mundpropaganda. Der Protest erstreckt sich nicht nur auf Wien, sondern
auch auf Klagenfurt, Salzburg, Graz und Innsbruck. Die deutschen Studenten schauen
nun gespannt nach Österreich. Die Organisatoren des deutschen Bildungsstreiks vom
vergangenen Sommer versuchen, die Bewegung im Nachbarland für eigene Proteste zu
nutzen. An der Freien Universität Berlin wollen Aktivisten am Mittwoch eine Kampagne
gegen den Uni-Präsidenten Dieter Lenzen starten. Die Gründe für den Protest in
Wien sind überfüllte Hörsäle, lange Wartelisten für Pflichtseminare sowie Professoren,
die den Ansturm an Diplomanden kaum bewältigen können. In diesem Wintersemester
waren erstmals mehr als 300 000 Studenten in Österreich eingeschrieben, etwa sieben
Prozent von ihnen Deutsche. Jedes Jahr kommen mehr Studenten aus Deutschland über
die Grenzen. In Fächern wie Publizistik oder Psychologie sind an manchen Hochschulen
mehr Deutsche als Österreicher eingeschrieben. Doch im Gegensatz zu Wiener Boulevardmedien
und einigen Politikern machen die Demonstranten nicht die deutschen Numerus-clausus-Flüchtlinge
für die schlechten Bedingungen verantwortlich. Ihre Kritik entzündet sich an der
europaweiten Studienreform, dem sogenannten Bologna-Prozess, durch den ihr Studium
immer verschulter werde. Außerdem fordern sie mehr Demokratie an den Hochschulen.
Die Wiener Regierung findet keine Antwort auf den unerwarteten Protest. Bildungsminister
Johannes Hahn sagt, er
sei „gesprächsbereit“. Dass die basisdemokratischen Studenten sich weigern,
Vertreter oder Sprecher aus ihrer Mitte zu bestimmen, macht die Sache nicht einfacher.
Wie jüngst bekannt wurde, muss sich Hahn künftig um die Unis ohnehin nicht mehr
bemühen: Er soll österreichischer EU-Kommissar werden. Zugleich gehen die Proteste
weiter: Die Studenten debattieren im Plenum, organisieren Filmvorführungen und Vorträge.
Manche besprühen Wände mit Graffiti, andere stellen Arbeitsgruppen aus Chemie-Studenten
zusammen, um die Schmierereien wieder zu entfernen. Kuriose Aktionen sollen zudem
der jetzt geplanten Demonstration noch mehr Aufmerksamkeit sichern. Die Gründer
der Protestgruppe auf Facebook kündigen an, die demonstrierenden Studenten würden
nebenbei den Weltrekord im Mambo-Paartanz brechen wollen, den das österreichische
Bundesheer erst am Freitag aufgestellt hat. 301 Tanzpaare sind dazu nötig. Wolfgang
Luef
Bundesländer rügen Steuer-Entlastungen
Berlin – Die neue Bundesregierung muss sich auf Widerstand der Länder gegen ihre
Pläne für Steuerentlastungen einstellen. Ministerpräsidenten und Finanzminister
auch aus CDU-geführten Ländern warnten am Dienstag vor zusätzlichen Lasten für
ihre Etats. Der Vorsitzende der Gruppe der Euro-Finanzminister, Luxemburgs Premier
Jean-Claude Juncker, zweifelt gar an der Solidität deutscher Finanzpolitik. (Seite
5 und Wirtschaft) SZ
Tschechien entscheidet im November über EU
Brno – Tschechiens Verfassungsgericht hat seine Entscheidung über eine Klage von
EU-kritischen Senatoren gegen den Lissabon-Vertrag am Dienstag auf den 3. November
vertagt. Zuvor hatten die Richter die Argumente der Gegner und Befürworter des Abkommens
angehört. Von dem Urteil hängt die Ratifizierung des Vertrags durch Tschechien
und damit dessen Inkrafttreten ab. (Seite 8) SZ
UN-Chef erwartet Scheitern des Welt-Klimagipfels
Ban bezweifelt, dass in Kopenhagen ein Abkommen zustande kommt / EU uneins über
Hilfen für Entwicklungsländer
Von Cerstin Gammelin und Cathrin Kahlweit Brüssel/München – Bei den Vereinten
Nationen mehren sich die Zweifel daran, dass der für Dezember in Kopenhagen geplante
Welt-Klimagipfel wie angestrebt mit einem internationalen Abkommen enden wird. Janos
Pasztor, der im Beraterstab von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon für Klimafragen
zuständig ist, sagte am Montagabend in New York, angesichts vieler noch offener
Fragen sei unklar, was erreicht werden könne. So bremsen einstige Vorreiter, etwa
die Europäische Union. Sie lässt weiterhin offen, wie hoch die Finanzhilfe sein
wird, mit der die EU-Mitgliedstaaten die Entwicklungsländer beim Klimaschutz unterstützen
wollen. Der Sprecher Bans sagte: „Der Klimawandel wird nicht in Kopenhagen gestoppt
werden, das haben wir immer gewusst.“ Der UN-Generalsekretär glaube, dass man
sich für eine politische Einigung starkmachen müsse. Diese könne dann den Weg
bereiten „für Nach-Kopenhagen-Verhandlungen, die zu einem rechtlich bindenden
Abkommen führen“. Hindernisse für eine Einigung seien, dass der US-Kongress noch
kein Klimagesetz verabschiedet habe und sich die Industriestaaten nicht auf konkrete
Reduktionsziele geeinigt hätten. Der Gipfel vom 7. bis 18. Dezember soll eine Nachfolge-Regelung
für das Kyoto-Abkommen beschließen, das 2012 ausläuft. Der UN-Generalsekretär
hatte am Montag in einem Gastbeitrag in der New York Times eine Reihe von Bedingungen
für den Erfolg der Konferenz aufgezählt, darunter die drastische Reduktion von
Abgasen und die Unterstützung für jene Staaten, die jetzt schon vom Klimawandel
betroffen sind. Leider, so schrieb Ban, habe ein Vorbereitungstreffen in Bangkok
Anfang Oktober nur Stillstand gebracht. Nun gelte es, in eine „konstruktive Diskussion
einzutreten“. Vor Geschäftsleuten in Seattle betonte Ban, in Kopenhagen könne
man vielleicht keinen Konsens in allen Punkten erwarten, „aber wir sollten eine
weitgehende Übereinstimmung haben“. In Kyoto waren 1997 Emissionsziele für Industrieländer
beschlossen worden. Danach sollte der Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2012
um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber 1990 verringert werden. Auf der NachfolgeKonferenz
in Bali 2007 wurden Rahmenvereinbarungen für die CO2-Reduktion von 2013 an erzielt.
Diese sollen jetzt konkretisiert werden; außerdem war erwartet worden, dass sich
die USA vertraglich zum Klimaschutz bekennen. Die ohnehin schleppenden Verhandlungen
werden von der Europäischen Union weiter verzögert. In Brüssel gibt es bislang
keine Bereitschaft, den Entwicklungsländern ein konkretes Angebot für Finanzhilfen
beim Klimaschutz vorzulegen. Wenn sich die europäischen Staats- und Regierungschefs
am Donnerstag in Brüssel zu ihrem Gipfel versammeln, wollen sie lediglich anerkennen,
dass die Entwicklungsländer für den Klimaschutz Finanzhilfen brauchen. Bis zum
Jahr 2020 könne der Finanzbedarf auf 100 Milliarden Euro pro Jahr steigen. Das geht
aus dem Entwurf für die Abschlusserklärung hervor. Umweltverbände wie der World
Wide Fund for Nature (WWF) und Greenpeace sehen in der Einschätzung der UN das falsche
Signal; ob ein Abkommen erzielbar sei, sei keine Frage der Zeit, sondern des politischen
Willens. (Seite 4)
Dax j
Xetra Schluss 5635 Punkte
Dow i
N.Y. 18 Uhr 9884 Punkte
Euro j
18 Uhr 1,4790 US-$
Das Wetter
München – Über dem Osten und Norden örtlich Regen oder Sprühregen. Später
im Nordwesten Wolkenlücken. Sonst Nebel oder Hochnebel, der nur zögerlich wenigen
Sonnenstrahlen weicht. Zehn bis 17 Grad. (Seite 31)